Aktuelle Ergebnisse Swiss Payment Monitor 2/2022

Forschungsnotiz vom 24. August 2022
 

Hälfte der Schweizer Bevölkerung offen für «Buy now, pay later»-Angebote

Rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung steht Ratenkaufoptionen prinzipiell aufgeschlossen gegenüber. In einer hypothetischen Kaufsituation wurden «Buy now, pay later»-Angebote bei einer Auswahl verschiedener Bezahloptionen aber eher selten gewählt. Das zeigt der aktuelle Swiss Payment Monitor der ZHAW und der Universität St. Gallen.

Knapp die Hälfte der Schweizer Bevölkerung kann es sich grundsätzlich vorstellen, ein gewünschtes Produkt auf Raten zu kaufen. Ein Drittel kann sich dies hingegen überhaupt nicht vorstellen, selbst wenn dadurch keine Zinsen oder Gebühren entstehen. Das zeigt der zum sechsten Mal durchgeführte Swiss Payment Monitor (SPM) der ZHAW und der Universität St.Gallen. Für die Untersuchung wurden im Mai 2022 mehr als 1400 Personen repräsentativ für die ganze Schweiz befragt.


Frauen neigen eher zu Ratenkauf


Die Akzeptanz solcher «Buy now, pay later» (BNPL) Angebote ist unabhängig vom Alter und der finanziellen Ausgangslage. «Der Hälfte der Befragten wurde gesagt, dass sie sich den Kauf des Produkts aktuell nicht leisten könnten, während sich die andere Hälfte einen sofortigen Kauf problemlos leisten könnte», erklärt Mitautorin Nina Heim von der ZHAW. «Dies hatte allerdings keinen statistisch signifikanten Einfluss auf die Akzeptanz einer Ratenzahlung.» Einzig bei den Geschlechtern zeigte sich diesbezüglich ein Unterschied: Frauen sind eher geneigt als Männer, ein Produkt, das sie sich sonst nicht leisten könnten, auf Raten zu kaufen. Könnten sie sich das Produkt jedoch problemlos leisten, sind Männer einem Ratenkauf gegenüber aufgeschlossener als Frauen. 


«Buy now, pay later»-Angebote mit Zinsen spielen kaum eine Rolle


Die Ratenkaufoption spielt bei konkreten (hypothetischen) Kaufentscheidungen im Vergleich zu anderen Bezahloptionen eine untergeordnete Rolle, selbst wenn diese für die Befragten gratis ist. Beim Kauf eines Kühlschranks (Preis: 1649 Fr.) würde sich aber immerhin jede fünfte Person für einen Kauf mit fixen oder flexiblen Raten über 12 Monate entscheiden. Diese Zahl halbiert sich, wenn auf die ausstehenden Raten ein Zinssatz von 5 Prozent (für gleichbleibende Raten) respektive 6 Prozent (für flexible Raten) erhoben wird. «Dabei ist insbesondere der Rückgang bei den flexiblen Raten zu 6 Prozent Zinsen frappant», sagt ZHAW-Zahlungsmittelexperte Marcel Stadelmann. «Die Ratenkaufoption scheint nur bei tiefen Zinssätzen und am ehesten bei grösseren Beträgen für wichtige, nützliche Anschaffungen attraktiv.»

Ratenkauf als neuer Payment-Trend?


Bei BNPL handelt es sich um eine Kauflösung auf Rechnung oder auf Raten, welche eine Entkopplung des Zeitpunkts des Konsums vom Zeitpunkt der Zahlung ermöglicht. Diese Ratenkauflösung ist zwar nicht grundsätzlich neu, allerdings unterscheiden sich die modernen Bezahllösungen vom traditionellen Ratenkauf hinsichtlich der Payment-Experience, indem sie individuellere und einfachere Lösungen mit vielen Wahlfreiheiten bieten. Entsprechend können Konsument:innen die Entscheidung, wann und wie die Einkäufe bezahlt werden sollen, besser an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen. «Die Popularität von Ratenzahlungen könnte künftig steigen, zum Beispiel wenn sich aufgrund hoher Inflationsraten die Wahrnehmung in Zukunft liegender Ausgaben verändert», sagt Tobias Trütsch, Zahlungsökonom der Universität St. Gallen.


Kreditkarte als Abrechnungsprodukt profitiert vom Mobile-Boom


Im Rahmen der regelmässigen Untersuchung des Zahlungsverhaltens der Schweizer Bevölkerung zeigen sich im Vergleich zur letzten Erhebung im November 2021 lediglich geringfügige Veränderungen. Die Debitkarte bleibt das am häufigsten verwendete Zahlungsmittel, gefolgt vom Bargeld, welches im Präsenzgeschäft nach wie vor für jede dritte Zahlung eingesetzt wird. Die Beliebtheit des mobilen Bezahlens nimmt weiter zu. Im Distanzgeschäft wird mittlerweile jede zweite Zahlung über ein mobiles Gerät abgewickelt, wovon auch die Kreditkarte als Abrechnungsprodukt profitiert: Jede dritte Zahlung aus der Distanz wird über eine Kreditkarte abgerechnet.

Den vollständigen Bericht finden sie unten zum Download. Ältere Ausgaben des Swiss Payment Monitors sind im Archiv abgelegt. 

Swiss Payment Monitor 2022 - Wie bezahlt die Schweiz?, Ausgabe 2/2022 - Erhebung Mai 2022

Stichworte: Zahlungsverhalten, Debitkarte, Kreditkarte, Bargeld, mobiles Bezahlen, Neobanken, Buy-Now-Pay-Later